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Garten-Tipps

Bäume aus der Baumschule sind bereits veredelt: Hölzer der gewünschten Obstbaumsorte sind auf einem anderen Baum – auf eine Unterlage – aufgepfropft. Dieses Veredeln bringt den Vorteil, dass die überaus wichtige Wurzel und der Stamm einer abgehärteten, widerstandsfähigen Sorte entstammen und der fruchttragende Teil einer reichtragenden und wohlschmeckenden.

Der Obstbaum im Bauerngarten, im Hausgarten und in der Landwirtschaft

Bäume pflanzen

Der Baum ist empfindlich und für die Wurzel ist das umpflanzen ein großer Schock. Das Pflanzloch muss bedeutend größer sein als der Wurzelballen. Der Stützpfahl wird zuerst in den Boden der Pflanzgrube getrieben, der Baum danach ausgerichtet und in das offene Loch gesetzt. Alle beschädigten oder verletzten Wurzeln schneidet man ab. Bäume werden während ihrer Ruhezeit im Winter gepflanzt. In die Mitte der Grube füllt man einen Haufen guten Mutterboden und breitet die Wurzel darüber aus. Der Baum muss in der gleichen Pflanztiefe stehen wie vorher. Mit den Fingern streut man weitere gute Erde zwischen die Wurzeln und schiebt sie dicht daran. Erst wenn alle Verbindung mit dem Erdreich haben, wird die Grube aufgefüllt. Wenn der Boden unter den Wurzeln wegsackt und sich Hohlräume bilden, geht der Baum ein. Deshalb wird nur feinkrumige Erde in die Grube gefüllt und immer wieder angedrückt. Erst wenn die Grube ganz voll und ein Erdhaufen entstanden ist, kann man kräftig stampfen. Jetzt den Baum am Pfahl mit einer offenen Schlaufe festbinden und darauf achten, dass ein Scheuern des Stamms am Pfahl vermieden wird. Nach dem Pflanzen benötigt der Baum Feuchtigkeit. Er wird daher reichlich gegossen und die Baumscheibe mit einer dicken Mulchschicht bedeckt.


Pflege-und Schnittmaßnahmen

Der Pflanzenschnitt

Fehler, die bei dieser ersten Schnittmaßnahme unterlaufen, zeigen sich erst später. Neben dem Mitteltrieb belässt man drei, nur in Ausnahmefällen bei günstiger Aststellung vier seitliche Leitäste. Natürlich ist es möglich, einen zusätzlichen Reserveast in den ersten Jahren mitwachsen zu lassen, den man aber später wieder herausnimmt, wenn die anderen sich wunschgemäß entwickeln. Der dem Mitteltrieb am nächsten steil auswachsende Konkurrenztrieb ist in jedem Fall herauszunehmen, damit sich später kein "Schlitzast" bilden kann.
Ideal ist es auch, wenn die seitlichen Leitäste nicht quirlartig auf gleicher Höhe vom Stamm wegführen,sondern versetzt stehen. Der einzelne Ast hat dann auch seitlich mehr Platz. Die Anschnittlänge der Seitenäste richtet sich immer nach dem schwächsten Trieb. Die Triebenden sollten dann am Schluss in gleicher Höhe liegen, um einen gleichmäßigen Austrieb zu gewährleisten. Das letzte Auge jeden Triebes muss nach außen zeigen, das dahinterliegende zweite Auge blendet man, d.h. man zwickt es aus, weil ein Durchtrieb ins Kroneninnere gerichtet wäre. Diesen erstmaligen Kronenanschnitt führt man grundsätzlich erst im zeitigen Frühjahr durch, auch dann, wenn der Baum schon im Herbst gepflanzt wurde.

Der Erziehungsschnitt

Gerade weil man davon ausgeht, dass die Schnittmaßnahmen bei Hochstämmen nicht so aufwendig sind wie bei Niederstämmen und auch nicht bis ins Alter mit der gleichen Intensität durchgeführt werden müssen, ist der Erziehungsschnitt bis zum 7. Jahr wichtig. Hier wird die Grundlage für einen lichten, kräftigen Kronenaufbau gelegt, der späteren arbeitsaufwendigen Korrekturen mit viel Substanzverlust vorbeugt. Das Ziel sind drei gleichstarke Seitenäste und ein kräftiger Mitteltrieb mit untergeordneten Fruchtzweigen und Fruchtholz.

Pflanzenschnitt

a) Beim Pflanzschnitt werden nach Auswahl von drei günstig stehenden Leittrieben alle übrigen Triebe auf Astring entfernt.
b) Beim Rückschnitt der Leittriebe muss darauf geachtet werden,dass die Endknospen nach außen stehen.Man wird etwa die halbe Trieblänge abschneiden.Um später eine flache Krone zu erhalten darf der Mitteltrieb höchstens 10 cm über die Seitentriebe hinausragen.
c) Falscher Pflanzschnitt. Zuviele Leitäste und zu langer Mitteltrieb.

Abspreizen und Heften von Trieben beim Planzenschnitt

a) Aus der Baumschule gelieferter Obstbaum. M=Mitteltrieb, L=Leittriebe, K=Konkurrenztriebe. Der Konkurrenztrieb muss stets entfernt werden.
b) Es verbleiben drei Leittriebe zum Kronenaufbau. Der rechte Trieb steht zu flach. Er wird hochgebunden, damit er nicht im Wachstum zurückbleibt. Der linke Leittrieb steht zu steil. Er wird deshalb abgespreizt.
c) So sieht der Baum nach dem Formieren der Leitäste aus.

Streuung der Leitäste

a) Leitäste,an einer Stelle angesetzt,wirken sich ungünstig aus.
b) Richtig verteilte Leitäste an einem Jungbaum

Ansatzwinkel der Leitäste beim Aufbau der Kernobstkrone

a) zu steil angesetzter Ast (Schlitzast). Bricht bei späterer Belastung aus und hinterlässt schlecht heilende Risswunden.

b) Günstig angesetzter Ast zwischen 45 und 90 Grad

Der Überwachungsschnitt

Etwa nach dem 6. Standjahr ist der Grundaufbau der Krone bei Hochstämmen abgeschlossen. Beim Überwachungsschnitt entfernt man das mehr als dreijährige, stark nach unten hängende Fruchtholz.Wie aus der Zeichnung ersichtlich, schneidet man die Fruchtäste auf nach oben oder schräg nach außen stehenden Triebe.Die Baumkrone muss nach dem Schnitt locker und licht aufgebaut sein.Die Leitastverlängerungen werden jetzt nicht mehr eingekürzt.
Ab diesem Zeitpunkt entstehen auch keine Konkurrenztriebe mehr.

Auslichten einer gut gepflegten älteren Apfelkrone.

Die älteren,mit viel Quirholz besetzten Fruchtäste werden entfernt. Die auf den waagrechten Fruchtästen sich entwickelnden senkrechten Neutriebe werden zu neuem Fruchtholz. Alle übrigen in der Krone zu dicht stehenden Äste und Triebe werden ebenfalls sauber auf Astring herausgenommen.

Wachstumsgesetze

Bei jeder Schnittmaßnahme hat man die Wachstumsgesetze zu berücksichtigen. Eines davon lautet grob vereinfacht: je steiler ein Trieb nach oben gerichtet ist, um so stärker treibt er; je flacher er wächst, um so geringer ist sein Jahrestrieb; je flacher ein Trieb wächst, um so geringer ist seine Fruchtbarkeitsneigung; je steiler er steht, um so mehr schießt er ins Holz, ohne zu fruchten. Deshalb muss man stets für ein ausgewogenes Verhältnis von steilem Triebholz und flachliegendem Fruchtholz sorgen. Vom 2. bis zum 7. Standjahr werden die Leitäste jeweils um ein Drittel des Jahrestriebs auf ein nach außen gerichtetes Auge zurückgeschnitten. Der Mitteltrieb, der die Fortsetzung des Stammes bildet, wird ebenfalls durch Rückschnitt einem natürlichen Kronenaufbau angepasst. Im Gegensatz zu den Apfelbäumen ist es bei Birnen meist vorteilhaft, die Leitäste nach der    Pflanzung nicht so stark, also nur um etwa ein Viertel der Jahrestrieblänge zurückzuschneiden und erst im nächsten Jahr stärker zurückzunehmen. Dabei kann der Jungbaum im 1. Jahr eine größere Blattmasse bilden, welche einem guten Anwachsen dient. Mehrere Birnensorten neigen dazu, den Mitteltrieb sehr stark nach oben zu treiben. In solchen Fällen hält man diesen in den ersten Jahren betont kürzer, weil sonst die unteren Augen nicht austreiben.

Der Überwachungsschnitt

Gegen Ende des 1. Jahrzehnts beschränkt man sich vorwiegend auf das Auslichten und hier vor allem auf das Heraussägen ganzer Äste, die sich mitunter zusätzlich im Laufe der Jahre bilden. Lichtgassen müssen in der Krone freibleiben, damit Krankheiten vorgebeugt wird und Schattenfrüchte die Ausnahme bleiben. Die Kronen sind inzwischen auch so umfangreich, dass ein Schnitt mit der Schere einen sehr hohen Arbeitsaufwand verursachen würde.